DYO/DIY–Gastank/ Toptubebag

das Straußenei

Vor 2-3 Jahren habe ich mal irgendwo auf einem Flohmarkt eine simple Laptophülle (zwei Flächen an den Seiten vernäht, eine Seite mit Reißverschluss) aus einer Art Kordura für 50cent mitgenommen, um mir daraus eine Handyhülle zu nähen. Aus den Resten hatte ich dann irgendwann mal, mit Hilfe von Pappschablonen, die Umrisse eines Gastank zugeschnitten.IMG_1165 _mlDie Maße hatte ich grob mit einem Lineal am Bike abgenommen. Die Proportionen waren eher kurz und breit, anstatt lang und schlank, aber mehr gaben die Stoffreste nicht her und das Motiv eines Straußen auf dem Stoff wollte ich erhalten. Zudem sollte das ganze nur ein Versuch/ Prototyp werden. Ich habe die Teile seitdem immer wieder hervorgekramt, aber es war irgendwie nie der Moment mit der Tasche anzufangen und andere Projekte erhielten den Vorrang.IMG_1175 _ml

Eigentlich war schönstes Wetter, aber da ich mir beim Abbruch der letzten Tour eine kleine Erkältung zugezogen hatte, verbrachte ich ein Wochenende zu Hause ohne einen erneuten Versuch die Tour zu starten. Die Bedürfnisse die sich aus der Tour ergeben hatten, die Hoffnung auf eine Verbesserung und die Lust zu Basteln kamen zusammen und ich machte mich an die Planung eines Toptube/ Gastank und nebenbei grübelte ich schon mal über die Verarbeitung einer Thermohülle für eine Trinkflasche in zwei Mountainfeed Bags…
Am Ende saß ich mit ein einem Haufen Skizzen und Ideen da. Über die Maße hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das detailierte Recherchieren nach anderen Toptubes ließ ich aus. Die grobe Form und Funktion waren eigentlich soweit klar. Ein bis zwei Befestigungen zum Oberrohr, eine zum Vorbauschaft oder Steuerrohr. Dazu einen Boden, eine Wand ringsum, Deckel mit Reißverschluss oder Klett oben drauf und gut ist…

Ideen/ Plan:
– Befestigung am Bike variabel durch Gurtschlaufen
– einigermaßen formstabil in der Höhe
– Reißverschluss wenn möglich mit 2 Läufern
– RV fest vernäht mit Körper; „kein loser Deckel“
– RV möglich zum 9Uhr-3Uhr öffnen mit Umklappen nach unten
– RV möglich zu öffnen, so dass Deckel komplett wegklappbar
– Innenboden mit Dämpfung u Versteifung
– Außenboden leicht abwaschbar, direkt wasserabweisend (einfach die PU-Beschichtung nach außen gedreht)
– Deckel wenn möglich mit Netztasche auf Oberseite (vgl. deuter-Vorbautasche )
– wenn Netztasche nicht machbar, dann Schlaufen für Schnüre/ Gummizüge
– Wasserdicht? Regenschutz? Pustekuchen! Gibt’s ohne SeamGrip und bei den tausend Nähten samt meiner Nähkünste eh nicht. (Vielleicht bastel ich bei Laune und mit neuem Material nochmal eine Regenhülle, samt Verstautasche)
– das ganze sollte, naja musste, per Hand genäht werden. Meine Nähmaschine muss sich ein Fachmann anschauen, allein komme ich da nicht mehr weiter, und das Geld für die Reparatur habe ich nicht.
– ach ja fast vergessen den Strauß möglichst erhalten, ich hatte mich inzwischen an ihn gewöhnt. Das Motiv hat was Schnelles, Waches, Keckes und Aufforderndes, genau richtig für Touren. Auch wenn ich kein Freund von Mustern, Motiven und Aufdrucken bin, Herr Strauß bleibt.

Ich kramte in meiner Bastellkiste Abteilung Stoffe und Nähen und fand:
-deckungsgleiche Zuschnitte, Boden/Deckel, Wände (Maße siehe Bild Schablonen)
einen Reißverschluss, könnte sogar das Original von der Hülle gewesen sein, jedenfalls mit 2 Läufern und aus einigermaßen soliden Material und in genügender Länge, leider nicht wasserdicht
– Dazu noch Stücke einer 2-3mm Schaumstoffeinlage, aus einer alten billigen Lenkertasche (Kasten), die ich irgendwann mal zerlegt hatte, als Dämpfung.
– ein 10cm Reststück grauer Riemen passte farblich ganz gut
– aus der Tüte mit Riemen aller Art habe ich mich auch gut bedient (1,5-2cm breit)
– dann habe ich mal wieder ein Stück „Haut“ (vgl. Hülle Trangia Brenner, Hülle Grillgitter,.. vom scheinbar unerschöpflichen Vorrat meiner Jugendzeit-Uralt-Self-Inflate-Isomatte abgezogen, als Innenboden der Tasche (auf eine komplette Innenauskleidung verzichtete ich, da nicht nötig und zu aufwendig.
Klettverschluss war noch vorhanden
dazu Näh- und Werkzeug:
– robustes Nähgarn (Polyester?)
– Ledernadeln, Stecknadeln
– Feuerzeug
– Schere, Cutter
– Stahllineal, Geodreieck
– Stift
– Künstlerklammern groß und klein

Schaumstoff, Zuschnitte Seiten und Boden/ Deckel, Reißverschluss. Rechts auf dem Foto sieht man noch eine schrottige (*bibber*frier*weil nass und windig) Aldi Regenjacke, deren Kragen ich mal als Regenlasche für den Reißverschluss angedacht hatte.IMG_1038

Nu denn, auf geht’s. Mir schwirrten die ganzen Möglichkeiten wie durchgängiger Riemen außen, Riemen innenliegend, Riemen von Innen nach Außen, Riemen an Deckel,… durch den Kopf. Egal einfach drauf los war die Divise. Das Ding sollte am Ende nur halten und funktionieren dachte ich mir. Das sollte nur eine Versuchsgebastel werden, ohne groß zu messen. Einfach nach Gefühl und Augenmaß aneinanderfügen und sehen was bei rauskommt.

Als erstes habe ich mit der noch vorhandenen Schablone die Bodenteile aus dem Isomatten-Stoff und aus den zwei mit Gaffa verbundenen Schaumstoffelementen geschnitten.

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Außen ein Stück Riemen, darüber die Außenhaut, dann die Lage Schaumstoff, das Ganze so vernäht, dass am Boden der Tasche Gurtschlaufen für die Befestigung zum Oberrohr entstehen. Dann den Boden mit der Innenverkleidung vernähen.

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Die Seitenwände anhalten und die Länge anpassen

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Vernähen der Seitenwände und Anbringen eines Riemen auf der Außenseite, so dass Gurtschlaufen entstehen.

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Von der Innenseite ebenfalls ein Riemen zur Versteifung und anfangen die Seitenwände mit dem Boden zu vernähen.

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Jetzt den oberen Rand für den Reißverschluss vorbereiten und diesen annähen.

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„Nur noch“ den Deckel und Schlaufen für eine Schnur oder einen Gummizug annähen.

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Endspurt, die letzten Zentimeter und ich habe noch viel zu viel Stoff, weil ich am oberen Ende viel zu eng genäht habe.

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Eine Stunde später immer noch die letzten Zentimeter, aber es wird langsam

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Endlich fertig, eigentlich…!

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Wäre da nicht ein Problem, das ich schon beim Bauen und immer wieder kraftschöpfendem Anhalten und Test-Montieren der Tasche am Bike feststellte. Die Tasche rutscht auf dem Oberrohr zur Seite und vorne am Gabelschaft dreht sie sich einfach mit.  Woran liegts? Zum einen an den Klettis die auf dem Oberrohr rutschen und vor allem an meiner gut gemeinten Idee der variablen Befestigungsmöglichkeit. Die Klettis sitzen viel zu locker in den Gurtschlaufen und diese sind auch zu groß/ der Abstand zum Boden der Tasche ist zu groß. Vorne am Gabelschaft das Selbe.

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Einfachste Lösung, die Klettis doch an der Tasche fixieren. Ich war zu faul die Bodennähte nochmal zu öffnen und habe einfach durch den Innenboden genäht. Nicht schön, aber…
Nun hielt die Tasche auch schon besser, aber wegen ihrer Breite war sie doch noch etwas unstabil. Daher habe ich einen zweiten Riemen zum Steuerrohr angebracht.
Zusätzlich machte ich mir Gedanken über eine Antirutsch Beschichtung. Bei der Suche nach einem Material das einigermaßen taugte fand ich nur ein Reststück Neopren. So versah ich die Befestigung zum Oberrohr und die zum Steuerrohr mit einer Schicht Neopren. Top nun saß der Gastank. Wenn während der Fahrt noch ein übermäßiges Wackeln oder Kippen auffallen  sollte,  dann nähe ich die  Klettis einfach noch ein Stück mehr/ breiter (Oberrohrbreite) fest.

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(Entschuldigt, bei den folgenden Bildern habe ich wohl vergessen einen Weißabgleich zu machen und die Belichtung an die 40W-Klemmlampe anzupassen. Generell sind alle Fotos bei schwierigen Lichtverhältnissen entstanden. Entweder im strahlend hellen Sonnenlicht von der Seite oder im kargen Licht einer 40W-Klemmlampe)
Nun war ich eigentlich wirklich fertig, aber die Sache mit dem Netz auf der Oberseite ließ mir weiterhin keine Ruhe, ich hatte immer wieder die Wohnung ergebnislos nach etwas Brauchbarem abgegrast und auch der Second-Hand-Möbel-Trödel um die Ecke hatte nichts Brauchbares zum ausschlachten. Mehr durch Zufall, weil ich eigentlich was anderes gesucht hatte, fiel mir die Kameratasche für eine alte analoge SLR-Kamera in die Hände, die ich auch irgendwann mal auf einem Flohmarkt erstanden hatte. Nicht das Optimum an Netz was ich mir vorgestellt hatte, aber…

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Das Netz war leider 1-1,5cm zu schmal, daher musste ich mit einem breiten Rand nachhelfen. Diesen habe ich aus dem letzten Reststück des Materials geschnitten. IMG_1131

Dabei kam mir die Idee…  aus dem nun wirklich allerletzten Stück noch eine simple Innentasche/- Lasche zu nähen. Mal sehen ob es dafür reicht. So, nachdem mich der Alltag eingeholt hat und meine Bastellaune sich von dannen gemacht hat, sind schon wieder ein paar Tage vergangen, obwohl ich eigentlich nur noch das Netz aufnähen musste. Jetzt bloß nichts mehr falsch machen oder verschlimmbesser, noch sind es Einzelteile.

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Am Ende hat alles gepasst. Die Tasche ist nun endlich fertig. Die Innenlasche im Deckel  habe ich erstmal weggelassen. Die nähe ich aber noch an, da sie praktisch für leichte Dinge die oben aufliegen ist.
Kurz noch die Daten der Tasche am Ende:

L= 18cm, Bvo= 13cm, Bhi= 5cm, Hvo= 11cm, Hhi= 9cm, G= 92g, Volumen= „öhm,… rechne ich beizeiten mal noch aus…“)

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Der Arbeitsaufwand betrug im Groben ein Wochenende. Je nach Können, Geschick und Anspruch mehr oder weniger. Schwierigkeitsgrad? Puh…, lehrreich! Wer wirklich nur Stauraum braucht und das richtige Material hat, der kann sich in ein paar Stunden einen Boden, Seitenwänden und einen Deckel mit Reißverschluss zusammennähen und 2 Klettis anbringen.  Ach ja, es gibt da ja noch so eine Maschine, wer eine funktionsfähige hat und weiß was er tut, sollte sich eine einfache Tasche in 2-3h erstellt haben.
Ich habe es eher gemütlich angehen lassen und einfach ein paar Sachen ausprobiert. Ich weiß, es gibt dehnbare/ elastische Nähte und so etwas, das habe ich auch an und wann mal probiert, aber 90% der Tasche sind in guter alter Grundschultechnik „2 vor, 1 zurück“ genäht Wie sich die Tasche im Einsatz bewährt werde ich Euch berichten.

dumm gemacht
– kilometerweise Garn und Nähte und zu viel Material im Boden gehen ins Gewicht
– Schlaufen auf Deckel schief angenäht (nachts um 3-4 Uhr war ich doch etwas ko und zu faul das nochmalauszubessern)
– Schlaufe vergessen an der Front stehen zu lassen (Anfängerfehler)
– nicht von Anfang eine feste Fixierung der Befestigungsklettis vorgesehen (lehrreich)
– den Deckel anfangs zu eng vernäht, dadurch ist der Stoff nach unter gewandert und stand über, anstatt dem Deckel Volumen zu geben (lehrreich)

gut gemacht
– kein Innenfutter eingeplant
– Regenlaschen aus Aldi-Jacke weggelassen
– Parallel–Nähen, teilweise mit mehreren Nadeln an verschiedenen Stellen nähen/ sich vorarbeiten
– die grünen Zipperbänder angebracht
– der Strauß lebt
– unteren Riemen zum Steuerrohr noch angebracht
– Neopren als Antirutschbeschichtung? Wird sich zeigen…

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Ein Gedanke zu “DYO/DIY–Gastank/ Toptubebag

  1. So, nach den ersten 3 Touren/ Ausfahrten kann ich nur sagen, das Ding erfüllt 100% seinen Zweck. Massig Stauraum im Vergleich zur deuter-Vorbautasche, auch während der Fahrt leicht erreichbar/ zugänglch.
    Dass die Tasche eher breit ist, habe ich 2-3 Mal im Wiegetitt an den Beinen gemerkt, hat aber nicht gestört.
    Die Tasche wackelt nicht hin und her, ist aber flexibel genug angebracht, um z.B. die Lenkbewegung mit einem Mountainfeed-Bag mitzumachen.
    DIe Nähte des unteren Klett zum Steuerrohr behalte ich mal im Auge, wenn die überlastet seni sollten oder sich lockern , nähe ich den Riemen noch breiter fest.

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