GPS-Navigation

Zeit und Wahrnehmung

Der Einsatz von GPS und elektronischer Wegfindung/ Routenplanung hat große Vorteile, aber auch gewisse Risiken und Nebenwirkungen. Der Hauptvorteil ist der Faktor Zeit. Schon bei der digitalen Routenplanung reicht ein Mausklick auf den Start und einer auf das Ziel und man hat eine „Route“. Nun heißt es eigentlich nur noch der Linie hinterherfahren. Das ist zwar „effektiv“ und einfach, kostet einen aber oft schöne Erfahrungen und vor allem den Bezug zur Landschaft/ Strecke.

Die Methode Start und Ziel zu markieren und die entstanden Route als gegeben zu nehmen habe ich von Anfang an vermieden. Die Route soll mich nicht nur von A nach B führen, sondern soll zum Erlebnis und zur Erinnerung werden. Eine frei gewählte Route, zum Beispiel frei nach dem Motto „heute fahre ich einfach dem Kompass nach, Richtung Westen“, ist auf eine ganz eigene Art ein Erlebnis, aber hier geht es um geplante Routen. Ich nehme mir immer die Zeit, die Strecke bewusst anhand der Geographie, der Landschaft und den Orten zu wählen/ zu planen. Zivilisation, Natur, Fahrradautobahn oder Singletrails werden bewusst eingebracht. Ebenso versuche ich landschaftlich markante Punkte anzufahren oder verzeichnete Hütten und Unterstände auf Overnighter-Tauglichkeit zu überprüfen. Auch die ein oder andere kulturell wertvolle Stadt versuche ich zu passieren. Die Zeit und Mühe der individuellen Routenplanung lohnt sich.

Früher bin ich nach Karte und/oder Kompass gefahren. Meine ersten Erfahrungen mit der GPS-Navigation habe ich auf der Strecke Dresden – Leipzig gemacht. Das sind ziemlich exakt 120km. Anfangs bin ich die Strecke mit ausgedruckten Routen und Karten gefahren. Das hat im Schnitt 10-11h gedauert und wurde dank Verfahrens auch schon mal zur 160km Tour. Mit dem GPS dauerte die Strecke dann nur noch 6-7h und am Ende kamen ziemlich genau die geplanten 120km raus. Diese enorme Zeitersparnis war in erster Linie darin begründet, dass ich nicht ständig Anhalten musste um nach dem Weg zu fragen oder einen Blick auf die Karte zu werfen und mich auch nicht mehr so leicht verfahren konnte, beziehungsweise von vermeintlich Ortskundigen in die komplett falsche Richtung geschickt wurde. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass beim Fahren nach Karte meist noch wesentlich  15-25% auf die geplante Strecke drauf kommen, während es beim Abfahren einer Route auf den GPS auf max. 5-15% komme.

Aber mir fiel auch etwas Negatives auf. Der Bezug zu Land und Leuten ging verloren. Ich musste nicht mehr mit den Leuten kommunizieren um nach dem Weg zu fragen, ich musste mir nicht mehr die Orts- und Straßennamen anschauen um zu wissen wo ich bin. Ich musste nur der Linie auf dem GPS folgen. So konnte ich am Ende der Tour keinen Ort nennen den ich passiert hatte, hatte keine Erinnerungen an besondere Begegnungen, Orte oder Menschen. Die Bedienung und Nutzung des GPS selbst war schnell gelernt, aber den Umgang mit dieser neuen Form der Navigation musste ich erst lernen. Ich musste lernen die Strecke nicht mehr nur als Linie wahrzunehmen, sonder mir auch wieder die Zeit nehmen das Wo und Wie zu erfahren. Bilder und Eindrücke waren nur schwer nachvollziehbar. Ich konnte nicht mehr sagen zwischen Dorf X und Dorf Y war der schöne Platz am Wegesrand. Die Zeit solche Eindrücke auch im Kopf wieder zu verorten musste ich mir bewusst nehmen.

Aber die GPS-Navigation bietet eine andere Art der Verortung. Anhand der Auswertung der GPS Daten und beispielsweise der Uhrzeit von Fotos lässt sich vieles sogar sehr genau verorten. In den aufgezeichneten Daten sehe ich wann und wo ich angehalten habe um eine Pause oder ein Foto zu machen. Ich erkenne auch wo zum Beispiel steile Anstiege waren, die mich aus dem Sattel gezwungen haben, oder wo flotte Singletrails waren.

Ich nutze auf einem kartenfähigen GPS (garmin Oregon 450) in erster Linie die Open-Mtb-Map, die sehr viele Informationen bereithält. Aber auch diese muss man erstmal zu verstehen und deuten lernen, was am besten durch eigene Erfahrungen gelingt. Ich kann jedem nur ein kartenfähiges GPS empfehlen. Man kann sich schnell orientieren wo man ist, wo Orte/ Einkaufsmöglichkeiten sind, wo alternative Wege und Routen sind. Dadurch ist man flexibel die Strecke auch während einer Tour noch umzuplanen/ abzuändern.

Sehr schätzen gelernt habe ich das GPS auch, als eine Tour länger als gedacht dauerte, die letzten 30km durch einen Wald geplant waren und es dunkel und kalt wurde. Neben meiner Billigbeleuchtung verdarben mir zwei Wildscheine die meinen Weg gekreuzt hatten die Lust am weiterfahren. Irgendwo in der Ferne hörte ich den Verkehr einer Straße. Kurz herauszoomen auf dem GPS, da war die Straße auch schon verzeichnet. Ich folgte dem nächsten eingezeichneten Weg Richtung Straße. Dort angekommen das Routing des GPS auf Straßenmodus gestellt und auf „Home“ gedrückt. Et voila, es ging nach Hause.

Eine weitere Gegebenheit, die mich das GPS hat lieb gewinnen lassen, war eine Fahrt, die ich nicht abbrechen konnte, in die völlige Dunkelheit in einem dichten Waldstück ohne Mondlicht, Mehr als ein paar Meter Lichtkegel war mit meinen drei 10€ Lampen nicht drinnen. Der Weg war ziemlich verwildert und somit kaum vom Unterholz zu unterscheiden. Blindflug, naja ich legte bei diesen Gegebenheiten eher den Schleichmodus ein und vertraute einfach mal dem GPS. Dieses zeigte eine Rechtskurve an und ich drehte den Lenker nach rechts in die Dunkelheit. So ging es ca. 1h weiter. Danach war ich ganz schön beeindruckt von der Genauigkeit des GPS. Ich war nicht einmal vom Weg abgekommen.

Man sollte sich aber nicht vollständig der technischen Abhängigkeit eines GPS anvertrauen. Ich habe immer eine, zumindest grobe, Papierkarte und einen Kompass dabei.

Also Kopf hoch, die Strecke ist um Euch und keine Linie auf einer digitalen Karte.

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