DYO/DIY-Hobo(kocher)

Ravioli mal anders

Die Vorteile eines Hobos liegen für mich klar auf der Hand. Da die angebotenen Produkte für mich in keiner Relation zum Preis standen oder für meine Zwecke zu unspezifisch waren musste ein eigener her. Zudem hatte ich Lust zu Basteln und Auszuprobieren.Ravioli mal anders_IMG_0865 _ml

Anfangs stand die Idee eines Steck- oder Klapphobos. Es gibt simple Möglichkeiten Klapp-Scharniere mit einem Stück festen Drahtes zu realisieren. Geplant waren 0,5mm Edelstahl. Im Baumarkt gab es aber nur 1mm Edelstahlplatten, die mir entschieden zu schwer, zu teuer und zu aufwändig zu bearbeiten waren. Ich entschied mich letztendlich für eine Variante aus einer einfachen Konservendose, auch weil ich überhaupt erstmal Erfahrung mit dem Prinzip Hobo machen wollte. 500ml-Konservendosen sind kostengünstig, dank des sehr dünnen Blechs leicht zu bearbeiten, aber trotzdem sehr formstabil und robust. Außerdem gibt es bei der Dosenvariante keine, eventuell klemmenden oder brechenden, Haken und Scharniere und dem damit verbundenen friemeligen und hakeligen Aufbau, der gerne schön schwarze Finger mit sich bringt.

Meine Ansprüche an den Hobo:
– leicht (<300g)
– robust, zuverlässig
– kostengünstig
– schnell/ einfach zu realisieren
– wenn groß/ voluminös, dann als Stauraum zu nutzen
– Aschefang zum Leeren, am besten während des Betriebs
– Möglichkeit Brennstoff nachzulegen während Betrieb, verschließbar
– Topfkreuz, geeignet für Gefäße kleineren und größeren Durchmesser als der Hobo selbst
– geeignet zum Kochen, Grillen und ein klein wenig Lagerfeuer-Romantik
– sauber zu verpacken/ zu transportieren
– Feuerrost, geeignet für Nutzung als Windschutz und Topfständer für normale Campingkocher (spez. Trangia Spiritusbrenner)

Voraussetzungen/ Material:
– ungefähren Plan/ Ziel
– „Sicherheits-Dosenöffner“ und normalen Dosenöffner.
(Ein normaler Dosenöffner schneidet den Deckel hinter der „Lippe“, dem festen Dosenrand, vertikal/ längs der Dose auf. Ein Sicherheits-Dosenöffner“ schneidet unterhalb der „Lippe“ horizontal und hinterlässt dabei keine scharfen  Kanten.)
– Willen 3 Tage Dosenfutter zu essen => 2-3 500ml Dosen
– Stift für Markierungen (für Metall geeignet, mit Nitro oder Spiritus abwaschbar)
– 2 Geodreiecke
– Lineal und Messband
– Blechschere
– Dremel/ Modellbau-Trennschleifer (geht sicher auch ohne, dann wird’s aber kompliziert und sicherlich etwas scharfkantiger), bei Nutzung bitte Schutzbrille tragen
– Bohrer
– Schleifer
– Hammer
– Zangen (Kombizange, Spitzzange)
– evtl. Stück Hasendraht für den Feuerrost
– Stück Blech oder ähnliches für Topfkreuz
– 3 Füße für Feuerrost (3 Schrauben mit Unterlegscheiben und Muttern)

Für folgende „Anleitung“ gilt, jede Schnitt- oder Bohrkante sollte anschließend entgratet und geschliffen werden oder umgeklappt/-falzt werden.

Alle „Höhenmasse“ sind vom Untergrund/ Arbeitsfläche gemessen.Hobo_Masse

Umsetzung der Erwartungen:

Schnell und einfach zu realisieren:
Öffnungen, am besten mit dem Bandmaß aufzeichnen und ausschneiden. Ich habe die Belüftungsöffnungen nach Gefühl bemessen, es gibt aber auch Leute die hier den Taschenrechner ansetzen. Noch den Feuerrost bauen und einsetzen, das Topfkreuz zuschneiden und fertig. Das ist eigentlich an einem Nachmittag gemacht. Ich habe aber ca. 3-4 Tage an dem Ding gebastelt, weil ich sauber arbeiten wollte und manche Idee oder Fehler erst im Nachhinein auftauchte.

sauberer Transport/ Verpackung: Vornweg, so schmutzig ist ein Hobo gar nicht, da einfach eine enorme Hitze herrscht und kaum Rückstände bleiben. Nichtsdestotrotz habe ich mir aus dem festen und PU-beschichteten Material eines alten Kleidersacks eine „Steckhülle“ für den Hobo genäht. Diese ermöglicht ein sauberes Ein- undAuspacken des Hobos und hält dank des eingenähten Gummizugs alle untergebrachten Teile klapperfrei zusammen. Das ganze Päckchen passt wunderbar in die Rahmentasche.Huelle_1_IMG_0891_ml Huelle_2_IMG_0922_mlHuelle_3_IMG_0894_mlHuelle_4_IMG_0899_mlIMG_0893 _ml

Als Stauraum zu nutzen:
Für den Transport lässt sich der gute 500ml-Tatonka-Edelstahlbecher im Hobo verstauen, darin dann noch der Trangia-Brenner, ein Feuerstahl und ein Fläschchen Spiritus. Darauf achten, dass der Feuerrost, auf dem die Tasse beim Transport steht hoch genug ist, damit diese mit dem „Lippenbereich“ über den Rand des Hobos herausragt. Zum einen verhindert man den Kontakt des Lippenbereichs mit dem rußigen Hobo und ein eventuell selbstgebauter Deckel für die Tasse wird beim Transport nicht durch den Dosenrand weggedrückt.Stauraum_1_IMG_0898_mlStauraum_2_IMG_0902_ml

Gewicht: Am Ende wiegt der Hobo bei mir 110g, als Päckchen mit Hülle und Becher samt Inhalt ca. 550gGewicht_IMG_0742_ml

Kostengünstig: reine Materialkosten unter 8€

Robustheit: Dose leeren und auswaschen. Mit einem normalen Dosenöffner der Deckel herausschneiden. Dadurch bleibt der obere (form)stabile Rand stehen. Beim Schneiden der Öffnungen darauf achten die Naht/ Falz längs der Dose nicht zu beschädigen.

Aschefang zum Leeren:
Der Aschefang ist bei mir einfach der Boden der Dose und der ca. 2cm hohe durchgängige Rand an dieser Stelle. Ich hatte auch überlegt einen abnehmbaren Boden zu bauen, aber wie den Einbau einer Klappe habe ich dies nicht umgesetzt, da bei unsauberer Ausführung doch Glut auf den Boden gelangen kann. Die Möglichkeit den Aschefang, zwar nicht mehr während dem Betrieb, zu leeren ist durch den herausnehmbaren Grillrost gegeben. Im Nachhinein habe ich nun festgestellt, dass ein Leeren auch während mehrstündigem Betrieb nicht nötig ist, da der Hobo kaum Asche und diese dann sehr fein hinterlässt.Aschefang_IMG_0908_ml

Feuerrost: Anfänglich hatte ich überlegt den Rost einfach auf vertikal oder horizontal eingeklappte, aus der Dosenwand ausgeschnittene Laschen zu setzten/ legen (vgl.Skizze). Da ich aber die Höhe falsch angesetzt hatte (vgl. Trinkbecher „Lippenbereich“) und ich nicht nochmal neu anfangen wollte, kam ein separater Einsatz zu Nutzung. Von einer Dose habe ich mit einem Sicherheitsdosenöffner den Deckel abgeschnitten und die innere Fläche mit einem Überstand von ca. 1cm ausgeschnitten. Darauf habe ich ein zugeschnittenes Stück Hasendraht gelegt und durch Umklappen von Laschen, aus dem Überstand des Deckels, fixiert. Das ganze steht auf drei Schrauben als Beine.Feuerrost_1IMG_0909_ml

Möglichkeit Brennstoff nachzulegen: Auch hier war ursprünglich eine Klappe mit Scharnier angedacht, aber letztendlich endschied ich mich für die weniger anfälligere und einfachere Version einer Klappe, die eingehängt wird. Ein Hantieren mir Einhak- und Klappmechanismen an einem manchmal wacklig stehenden Hobo erfordert zumeist eh den Topf/ das Gefäß festzuhalten oder herunterzunehmen, so auch bei meiner Lösung. Aber sie funktioniert tadellos, schließt sehr dicht ab und hat keine anfälligen Haken oder Scharniere. Einzig und allein Verlieren kann man die Klappe, da sie nicht mit den Hobo verbunden ist.
Eigentlich wollte ich die obere Falz der Dose stehen lassen, aber das passte dann doch nicht. Daher ist es nun eine rechteckige, ca. 6cm breite Öffnung die den oberen Rand der Dose durchschneidet und ca. 3,5cm über dem Feuerrost endet. Somit kann ich die Henkel des Tatonka-Bechers beim Transport nach außen führen und dort umklappen. Als Deckel/ Tür dient mir ein Stück Blech einer anderen Dose, das ca. 1cm breiter geschnitten ist als die Öffnung und oben einfach umgeklappt wurde um es am Dosenrand einzuhängen. Dazu eine dreieckige Öffnung um mit einer Zange oder einem Stock bewegt werden zu können.Brennstoff _1_IMG_0913 _ml Brennstoff_2_IMG_0918_ml

Topfkreuz: Im einfachsten Fall hätte ich Löcher Bohren können, durch die man parallel zwei Zeltheringe oder ähnliches steckt. Die Tatonka-Tasse würde ideal in den Hobo passen um so von heißer Luft umströmt zu werden, damit aber auch größere Töpfe umströmt werden und nicht gar den Hobo oben verschließen, habe ich ein Topfkreuz ca. 0,7cm erhöht angebracht. Man hätte das Topfkreuz für die Tasse auch versenken können und oben im Rand Öffnungen schneiden können, damit man einen Topf direkt auf den Rand der Dose stellen kann. Aber damit wäre die Länge des „Kamins“ zu kurz geraten. Das Topfkreuz ist aus einem Zinkblech, was ich hier noch rumliegen hatte, leider nicht rostfrei, aber momentan hält es noch. Die zwei schmalen Streifen sind nicht länger als der Hobo und lassen sich somit einfach an dessen Seite verstaut transportieren.IMG_0920 _mlTopfkreuz_IMG_0912_ml

Kochen, Grillen, Lagerfeuer-Romantik: Durch die entfernbare Nachfüllklappe kann man die Temperatur und den Zug des Hobos etwas „entschärfen“ und so ein Miniaturlagerfeuer erhalten. Zum Grillen ist der Hobo bedingt geeignet, aber es geht. Am besten mit dickeren Ästen arbeiten um wenigstens etwas Glut dauerhaft zu erhalten. Man sollte aber sein Grillgut am Stock balancieren da es direkt auf dem Hobo sehr heiß ist. Ich habe ein paar Überlegungen für ein Grillgitter/ -aufsatz, diese aber noch nicht umgesetzt.
Man merkt den Kamineffekt deutlich, auch bei Nutzung des Trangias. Wasser kocht 3-4min schneller und der Spiritusverbrauch steigt etwas.

Wichtig beim Bauen:
– Kanten entgraten und schleifen
– Feuerrost hoch genug, damit Lippenbereich der Tasse übersteht
– Nachfüllöffnung tief genug für Tassengriffe und weit genug für Deckel des Brenners
– darauf achten die Falz der Dose nicht zu beschädigen
-Topfkreuz als seitliche Stopper für Deckel/ Klappe Nachfüllöffnung

einzige Nachteile:
– Der Trangia lässt sich ohne Lösen des Topfkreuz nicht einsetzen/ herausnehmen, aber löschen,entzünden uns nachfüllen
– dran denken vor dem Anfeuern das Topfkreuz einzusetzen
-Schönheitsfehler 1: die Nachfüllöffnung sitzt (bei mir)nicht symmetrisch zu den Einkerbungen für das Topfkreuz
– Schönheitsfehler 2:im Boden der Dose ist ein Bohrloch von einer anfänglich gebauten anderen VarianteIMG_0876 _ml

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