Bikebrille

der (Hin)Gucker

Wer kennt sie nicht, die scheinbar in neonartigen Spektralfarben spiegelnden riesigen „Augendeckel“? Das ist jedenfalls meine Jugenderinnerung, die mich glaube ich bis heute in meiner Wahrnehmung geprägt hat. Brille_IMG_0149_ml
Bikebrillen sind in der Regel sehr breit geschnitten um einen guten Seiten-und Schulterblick zu ermöglichen. Ebenso sollten sie recht nah anliegen, um Wind und Objekte abzuhalten.

Aussehen hin oder her, die Vorteile liegen klar auf der Hand. Wer schon mal ein Insekt oder gar einen Ast bei Tempo 30 an der Brille hat anklopfen gespürt, der weiß was er an einer Bikebrille hat. Auch Mückenschwärme, die häufig zur Dämmerung an Gewässern auftreten und aufspringende (Kiesel)Steine und Dreck prasseln an einer Brille einfach ab. Hinzu kommt der Schutz vor kaltem Fahrtwind im Winter den ich nicht mehr missen möchte, und natürlich der Schutz vor dem Geblendetwerden. Letzteres kann einen Ritt durch den schattigen Wald, bei dem man nicht mehr auf den Stand der Sonne geachtet hat, hinter der nächsten Kurve schnell zum Blindflug werden lassen.

Das Prinzip von Wechselgläsern ist bei vielen Brillen Standard und ermöglicht es die Brille den verschiedenen Gegebenheiten anzupassen. Zusätzlich können rötliche und bräunliche Brillengläser helfen den Kontrast des Untergrundes zu erhöhen um Unebenheiten besser zu erkennen.
Ich habe für mich die selbstverdunkelnden Brillen entdeckt, was mir vor allem das Hantieren mit den Wechselgläsern und deren Transport/ Unterbringung erspart und dadurch ein ungestörteres Vorankommen ermöglicht.

Wer es kurz mag springt zum letzten Absatz, wer Lust auf Lesen hat der lese weiter.

Wer eine so, -ähm, markante Nase hat wie ich wird wissen wie sehr man sich über eine passende Brille freuen kann. Anfangs gezielt suchend, später nur noch mutlos im Vorbeigehen hatte ich schon unzählige Bikebrillen von 20€ bis 300€, wortwörtlich, auf der Nase und nicht darüber wie es eigentlich sein sollte. Die meist starren Plastikkonstruktionen der Bikebrillen schienen jedenfalls alle Größe S zu haben. Aber,…
Es war einer der Geburtstage, die einen noch nicht gemerkt haben lassen, dass man älter wird. Die Frage nach einem sinnvollen Geschenk beantwortete ich mit „Bikebrille“. Denn meine Beachvolleybrille, die bis dahin herhalten musste, war entschieden zu dunkel für waldige Trails und schon so sehr „sand-poliert“,  dass es dank der Reflektionen und Verzerrungen mehr einem LSD-Trip auf dem Rad gleichkam mit ihr zu fahren.
Also ab zum altansässigen Optiker der Heimatstadt. Diesen hatte ich wegen einem „passenden“ Spontanfund, einen Tag vor einer Flugreise, noch gut in Erinnerung. Das war übrigens besagte LSD-Brille. So betrat ich seit langem endlich mal wieder hoffnungsvoll mit dem Gedanken „Bikebrille“ im Kopf das Geschäft. Sportbrillen, ein Stock höher. Im Regal gegenüber dem oberen Treppenaufgang viel mir sofort das rot-weiß-schwarze Design auf, denn diese Farben kristallisierten sich so langsam bei meinem gesamten Equipment heraus. Aber gar nicht erst verlieben, dass Ding passt eh nicht. Ich bekomme die erste Brille in die Hand, das Übliche, Größe S. Die zweite Brille folgt. Ich weise den Verkäufer nochmal auf mein Problem hin. Er fängt an zu denken und mich als individuellen Kunden wahrzunehmen und greift zur rot-weißen.
Nun musste ich mich doch mit ihrer Anziehung auseinander setzen. Ängstlich vor der Ernüchterung, die meiner Erfahrung nach folgen würde, zog ich sie an. Vom Verkäufer drang das Wort „selbstverdunkelnd“ an mein Ohr. War das jetzt positiv oder negativ? Letzteres, weil, wenn sie passen sollte, stand ich solch modernen All-in-One Methoden/ Lösungen wie der Selbstverdunkelung doch eher skeptisch gegenüber. Positiv, wenn die Brille nicht passen sollte, viel es mir leichter sie zu vergessen.
Das Ding passte sogar einigermaßen, der Spalt unter den Augen war fast schon akzeptabel. Unser guter Verkäufer war sogar immer noch am Denken und entfernte die aufgesteckte Gummierung am Nasenbügel. Und siehe da, sie lag so gut wie an. Nun hielt mich nur noch mein Unwissen um den Preis und diese scheinbar anfällige Selbstverdunkelung, die mir der Verkäufer inzwischen vorgeführt hatte, von meiner endgültigen Hingabe ab. 100€ war fair, wenn ich mir die Preisschilder in der Vitrine ansah, die bis zum Fünffachen gingen. Sorgen um die Qualität des UV-Schutzes musste ich mir bei dem Preis und dem Hersteller UVEX auch nicht machen. Das Thema Selbstverdunkelung verbuchte ich mal unter Experiment.

Ergo, ich hatte endlich eine Bikebrille. An das Design, beziehungsweise die Formgebung dieser Dinger werde ich mich wohl nie gewöhnen. Aber mit ihrem enormen Nutzen ist sie mir ein wertvoller und treuer Tourenbegleiter geworden.
Ich weiß nicht ob ich einfach nur Glück hatte, oder ob die Technik doch nicht so anfällig wie befürchtet ist. Jedenfalls ist die Funktion der Selbstverdunkelung ein enormer Komfortgewinn im Vergleich zu Wechselgläsern und funktioniert tadellos. Ich würde eigentlich gerne was über die Dauer/ „Trägheit“ der Selbstverdunkelung, schreiben, aber mir fällt gerade auf, dass der Vorgang irgendwie unbemerkt und angepasst abläuft. Sie war mir noch nie wirklich zu dunkel oder zu hell.

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